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Berlin - Minsk - Moscow Alexandra Catiere, Behind the Glass Maria Kracikova, My Berlin Maria Kracikova tries to catch the last gleaming of sentiments. The words “Never leave” are attached to a line like a stigma in front of the head of a young woman. On the right, a man holds the line as if to test its tension – according to this photo, these people can no longer be a couple, every details spells no, the glances, the random framing of the photograph, the lost figures in the amorphous space. Life is against it and penetrates Kracikovas photos, it has come to stay. Do not hope for too much and just drift along in the famous Berlin night. Some of the criteria for subjective photography which developed from reporting in the post-war years in Europe and the USA apply to Kracikovas contemporary photos. Their representatives – Lee Friedlander, Gary Winogrand, William Klein or Robert Frank- combine framing which appears to be randomly selected, arbitrary choice of theme, avoidance of beauty, emphasis on fringe groups of society and their own subject in the picture. Kracikova adheres to this tradition, but it is felt that she is drawn to these dour stories and types and resignedly abandons her distance – in doing this, she acts like a true Czech artist and shows us a compact, darkly mysterious world. |
Alexandra Catiere, Hinter dem Glas Das Glas des Fensters, mit seinen Narben, Flecken und Kratzern steht zwischen uns und dem Menschengesicht, das Alexandra Catiere uns exemplarisch für viele ihrer Heimatstädte Minsk und Moskau zeigen möchte. Das Glas trägt den Gestus der Geschichte, mit dem Hintergrund der Photographien verbindet es sich zu eine abstrakt expressiven Bild - energiegeladen wie eine Lithographie DeKoonings, dazu aufreizend wie Marcel Duchamps Grosses Glas, angelegt um den Zuschauer aus seiner Lethargie zu reissen, ihn zur dynamischen Wahrnehmung des Bildes zu bewegen. Zentral das Gesicht, das uns auf die Probe stellt: Wollen wir Blickkontakt aufnehmen, wollen wir die Gedanken sehen, die sich in den Zügen abzeichen? Mit der Dehnung der kurzen unverbindlichen Begegnung in die grau gestufte Unendlichkeit der Photographie wird es nicht leichter teilzunehmen - aber der mögliche Prozess wird klarer, je länger wir schauen. Es gibt selten Photographien, in denen die Distanz zwischen den Individuen so geschickt gezeigt wird. In Catieres Bildern wird der Bildraum gleichzeitig zur Bedrängnis, zum Labor der Gedanken, die erst wieder frei werden, wenn die Türen der Busse sich öffnen und den Fahrgast zu seiner alltäglichen Bestimmung entlassen.
Maria Kracikova, Mein Berlin Maria Kracikova versucht das letzte Leuchten der Gefühle einzufangen. Die Lettern "Never leave" hängen an einer Leine wie ein Stigma vor dem Kopf einer jungen Frau, rechts hält ein Mann die Leine, als wolle er die Spannung prüfen - diese Menschen können laut diesem Bild kein Paar mehr sein, jedes Detail spricht dagegen, die Blicke, der willkürliche Bildauschnitt, die verlorenen Figuren im ungeformten Raum. Das Leben will es nicht so und dringt in Maria Kracikovas Bilder ein, ist gekommen um zu bleiben: Hofft nicht zuviel und lasst euch treiben, in der berühmten Berliner Nacht. Für Maria Kracikovas zeitgenössische Bilder gelten einige der Kriterien die man für die subjektive Photographie fand, die sich aus der Reportage in den Nachkriegsjahren in Europa und den USA entwickelte. Ihre Vertreter Lee Friedlander, Gary Winogrand, William Klein oder Robert Frank vereinen willkürlich wirkende Bildausschnitte, Beliebigkeit des Motivs und Themas, die Vermeidung von Schönheit, Betonung gesellschaftlicher Randgruppen und des eigenen Subjekts im Bild. Kracikova steht in dieser Tradition, doch spürt man, wie sie hingezogen wird zu den spröden Geschichten und Typen und resiginierend die Distanz aufgibt - hierin ist sie ganz Tschechin und lässt vor unseren Augen eine dichte, dunkel-rätselhafte Welt entstehen. Horst Kloever, April 2007 |
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